Schallabsorptionsgrad Tabelle: 25 Materialien im Vergleich (Referenz-Werte 2026)

Schallabsorptionsgrad Tabelle: 25 Materialien im Vergleich (Referenz-Werte 2026)

Es gibt in Büroplanungsbüros einen Moment, den man bei jungen Bauingenieuren fast aufs Datum genau vorhersagen kann. Er kommt irgendwann in der zweiten Berufswoche, meistens an einem Mittwochnachmittag, und er ereignet sich vor einem Regal mit gelben Heftern, in denen der Materialkatalog der Firma steht. Der Ingenieur hat gerade den Auftrag bekommen, einen Konferenzraum zu planen. Fünfzig Quadratmeter, drei Meter hohe Decke, elf Personen um einen ovalen Tisch. Der Bauherr hat gesagt, es solle "angenehm klingen". Der Chef hat gesagt, es solle "unter DIN 18041 fallen". Der Ingenieur hat genickt, ist zum Regal gegangen und zieht den Ordner "Akustikmaterialien" heraus.

Was er sieht, lässt ihn zunächst blinzeln, dann laut ausatmen, dann noch einmal ausatmen, weil das erste Mal offenbar nicht gereicht hat. Auf jeder Seite ein Datenblatt. Auf jedem Datenblatt eine Tabelle mit sechs Spalten. In jeder Spalte eine Zahl zwischen 0 und 1. Bei 125 Hertz absorbiert die schwere Baumwollgardine 0,07 der auftreffenden Schallenergie. Bei 2000 Hertz sind es 0,75. Der glatte Beton daneben liegt bei 125 Hertz auf 0,02 und bei 4000 Hertz auf 0,05. Der drei Zentimeter dicke Melaminharzschaum hat bei 125 Hertz einen Wert von 0,10 und bei 2000 Hertz einen von 1,00. Und der Teppichboden, den er gestern noch als Lösung für die Halligkeit gedacht hatte, fällt bei 125 Hertz auf niederschmetternde 0,03 und erreicht erst bei 4000 Hertz die 0,72. Der Ingenieur legt den Ordner zur Seite, grübelt, blättert weiter, findet noch mehr Tabellen und noch mehr Werte, und stellt fest: Es gibt keine einzige Seite in diesem Ordner, auf der die Materialien nebeneinander stehen. Jeder Hersteller hat sein eigenes Format. Jeder gibt andere Frequenzen an. Zwei Firmen liefern gleich Balkendiagramme, drei Firmen nur alpha_w als Einzelwert, eine legt lieber den NRC-Wert nach amerikanischer Norm bei. Der Ingenieur brauchte, um es kurz zu machen, eine Übersichtstabelle. Eine, in der alle wichtigen Materialien der Bauakustik in denselben Frequenzbändern gegeneinander stehen. Und genau die hatte niemand für ihn zusammengestellt.

Dieser Artikel ist der Versuch, diese Tabelle zu liefern. Fünfundzwanzig Materialien, alle in denselben sechs Terzbändern von 125 bis 4000 Hertz, mit alpha_w-Klasse und NRC-Wert, in einer einzigen Übersicht. Davor ein knapper Grundlagenteil, warum die Zahlen so stark schwanken und was sie überhaupt sagen. Dahinter ein Rechenbeispiel mit der Sabin-Formel, das zeigt, wie sich aus diesen Zahlen eine konkrete Nachhallzeit ergibt und was passiert, wenn man den Konferenzraum von oben mit zwanzig Quadratmetern Basotect an der Decke ausstattet. Und am Ende die Frage, die jeden nervt, der zum ersten Mal ein Datenblatt liest: Warum stimmt der Prospektwert selten mit dem realen Einbau-Ergebnis überein und um wie viel Prozent muss man Sicherheitsmarge aufschlagen.

Was der Schallabsorptionsgrad wirklich beschreibt

Der Schallabsorptionsgrad, üblicherweise mit dem griechischen Buchstaben alpha geschrieben, ist im Kern eine simple Bruchrechnung. Er beschreibt das Verhältnis zwischen der Schallenergie, die im Material verschwindet, und der Schallenergie, die auf das Material auftrifft. Wenn eine Wand hundert Prozent der ankommenden Energie schluckt, beträgt alpha eins. Wenn sie hundert Prozent zurückwirft, beträgt alpha null. Alles dazwischen ist ein Anteil, den man ohne weitere Rechnung als Prozentwert lesen kann. Ein Material mit alpha = 0,85 verschluckt fünfundachtzig Prozent der Energie, fünfzehn Prozent kommen zurück (Sengpielaudio zur Definition des Schallabsorptionsgrades und der Sabin-Formel, BauNetz Wissen zum Begriff Schallabsorptionsgrad).

Klingt einfach. Ist auch einfach. Bis zu dem Punkt, an dem der Ingenieur begreift, dass alpha keine feste Materialeigenschaft ist, sondern eine Funktion der Frequenz. Ein und derselbe Absorber verhält sich bei 125 Hertz völlig anders als bei 4000 Hertz. Und das nicht ein bisschen anders, sondern manchmal um Faktor zehn. Melaminharzschaum in drei Zentimeter Stärke schluckt bei 4000 Hertz über neunzig Prozent der Energie, bei 125 Hertz aber nur zehn. Der Grund liegt in der Physik der Wellenausbreitung. Tiefe Töne haben lange Wellenlängen (bei 125 Hertz sind das rund 2,7 Meter), hohe Töne sehr kurze (bei 4000 Hertz sind es acht Zentimeter). Ein dünner Schaumstoffabsorber, dessen Materialstärke nur wenige Zentimeter beträgt, kann die kurzen Wellen problemlos in seinen offenen Poren zerreiben, aber gegen die langen Wellen ist er praktisch transparent. Sie schwingen durch ihn hindurch, als wäre er nicht da. Erst wenn die Absorberdicke ein Viertel der Wellenlänge erreicht, wird die Wirkung wirklich spannend. Für 125 Hertz bräuchte man rund 68 Zentimeter, was in einem normalen Büro eher an eine akustische Wandverkleidung als an ein Deckenpaneel erinnert (Fasold und Veres, Schallschutz und Raumakustik in der Praxis, Kapitel Absorbermodelle, Elmar Veres in Bauphysik zur Frequenzabhängigkeit poröser Absorber).

Deshalb liefert jedes ehrliche Datenblatt nicht einen Wert, sondern sechs. Der Absorptionsgrad wird in den Terzbändern 125, 250, 500, 1000, 2000 und 4000 Hertz gemessen und einzeln angegeben. Manche Hersteller ergänzen 63 Hertz und 6300 Hertz, was besonders bei Bassabsorbern und High-End-Studios interessant ist. Wer ein Datenblatt sieht, auf dem nur ein einziger Prozentwert steht ("bis zu 95% Absorption"), sollte das Produkt zurückstellen und weitersuchen. Diese Angabe ist rein rechtlich nicht falsch, weil es praktisch immer eine Frequenz gibt, bei der das Material tatsächlich fünfundneunzig Prozent absorbiert, aber sie ist so vollständig entkleidet von Kontext, dass sie zur Marketingphrase verkommt (akustik-plus zur Interpretation von Datenblatt-Angaben und Marketingfallen).

Zwei Messverfahren, zwei Wirklichkeiten

Damit die Sache nicht zu ruhig wird, gibt es nicht nur ein Messverfahren, sondern zwei, die unterschiedliche Werte liefern. Das ist einer der Gründe, warum zwei Datenblätter des gleichen Materials von zwei Herstellern voneinander abweichen können, ohne dass einer lügen müsste.

Das erste Verfahren ist die Hallraummessung nach ISO 354. Sie ist der Referenzstandard für die meisten öffentlichen Datenblätter und findet in einem speziell konstruierten, extrem nachhalligen Raum statt, dessen Wände, Boden und Decke aus glattem, hartem Material bestehen. Der Raum hat eine bekannte Nachhallzeit ohne Probe. Dann werden zehn bis zwölf Quadratmeter des Testmaterials eingelegt, und die neü Nachhallzeit wird gemessen. Aus der Differenz lässt sich rückrechnen, wieviel Schallenergie das Material geschluckt haben muss, um genau diesen Nachhallverlauf zu erzeugen. Die Methode wurde von Wallace Clement Sabine in den 1890er Jahren entwickelt, als er in Harvard versuchte, den katastrophalen Nachhall des Fogg Art Museum Lecture Hall in den Griff zu bekommen, und sie ist seither die Grundlage der Raumakustik geblieben (Wikipedia zur Geschichte von Wallace Clement Sabine und der Hallraummethode, ISO 354:2003 Beuth-Referenz zur Hallraummessung).

Der Vorteil dieser Methode: Der Schall kommt aus allen Richtungen gleichzeitig auf das Material, was der Realität in einem echten Raum nahekommt. Der Nachteil: Die Werte hängen davon ab, wie die Probe montiert ist. Direktes Auflegen auf den Boden liefert andere Ergebnisse als eine Aufhängung mit Luftspalt. Große Kanten der Probe, an denen der Schall auch von der Seite eintritt, können die Werte künstlich anheben, weshalb gelegentlich alpha-Werte über eins in Datenblättern auftauchen, was physikalisch unmöglich klingt, sich aber als Messartefakt erklären lässt. Um die Vergleichbarkeit zu erhöhen, kennt ISO 354 verschiedene Montage-Typen (A, B, D, E, J), die auf dem Datenblatt vermerkt werden sollten. Wer diese Angabe nicht findet, weiß nicht, wie das Material eingebaut wurde, und muss mit einer Streuung von zehn bis fünfundzwanzig Prozent zwischen Prospekt und Realität rechnen (Trikustik zum Einfluss der Montageart auf Messwerte im Hallraum, Rockfon-Whitepaper zur Interpretation von ISO-354-Ergebnissen).

Das zweite Verfahren ist das Impedanzrohr nach ISO 10534. Kleiner Aufwand, kleiner Raum, kleine Probe. In ein etwa ein Meter langes Rohr wird die Materialprobe an einem Ende gestellt, am anderen Ende sitzt eine Schallquelle. Zwei Mikrofone im Rohr messen einlaufende und reflektierte Welle, und aus dem Verhältnis ergibt sich der Absorptionsgrad. Die Messung daürt nicht Tage sondern Stunden, sie ist billig, sie ist reproduzierbar, aber sie hat einen entscheidenden Haken: Sie misst nur senkrechten Schalleinfall. Das ist die Ausnahme, nicht die Regel. In einem echten Raum trifft der Schall aus allen Winkeln auf, und poröse Absorber sind bei streifendem Einfall meist wirksamer als bei senkrechtem. Ein Material, das im Rohr alpha = 0,60 zeigt, kann im Hallraum durchaus alpha = 0,75 erreichen. Umgekehrt gilt: Wenn ein Hersteller nur Rohr-Werte angibt und diese verdächtig gut aussehen, könnte es sein, dass die Zahlen im echten Raum weniger beeindruckend ausfallen (Norsonic zum Unterschied zwischen Impedanzrohr und Hallraum, ISO 10534-2:1998 zu Zwei-Mikrofon-Methode im Impedanzrohr).

Praktische Konsequenz: Wer Datenblätter vergleicht, sollte immer prüfen, welche Messmethode zugrunde liegt. Steht ISO 354 daneben, sind die Werte realistisch. Steht ISO 10534 oder gar nichts, ist Vorsicht geboten. Und wenn beide Messungen für dasselbe Material verfügbar sind, liefert die Hallraummessung die planungsrelevanten Zahlen.

alpha_w und die Absorberklassen A bis F nach DIN EN ISO 11654

Der Bauingenieur, der vor dem Regal steht, will nicht sechs Zahlen. Er will eine. Genau deshalb wurde 1997 die europäische Norm DIN EN ISO 11654 eingeführt. Sie beschreibt, wie aus einer Frequenzkurve ein einziger Kennwert erzeugt wird: der bewertete Schallabsorptionsgrad alpha_w. Das kleine "w" steht für "weighted", also gewichtet, und die Konstruktion erinnert an das Verfahren, mit dem aus einer Schalldämmungskurve der bewertete Schalldämm-Maß R'w wird (Beuth Verlag zur Volltextreferenz DIN EN ISO 11654, BauNetz Wissen zur Herleitung von alpha_w aus der Frequenzkurve).

Konkret: Man nimmt die alpha-Werte bei 250, 500, 1000, 2000 und 4000 Hertz, glättet sie zu einem sogenannten praktischen Absorptionsgrad alpha_p in Oktavbändern und legt eine Referenzkurve darüber, die vorgegebene Werte für jede Frequenz vorschreibt. Diese Referenzkurve wird nach unten verschoben, bis die Summe der Abweichungen an den ungenügend absorbierenden Stellen einen definierten Grenzwert unterschreitet. Der Punkt, an dem die Referenzkurve dann bei 500 Hertz liegt, ist alpha_w. Aus dieser Zahl leiten sich fünf offizielle Klassen ab, die auf jedem europäischen Datenblatt zu finden sein sollten. Die Klasse F ist keine offizielle Absorberklasse, sondern die restliche Kategorie für alles, was zu schwach ist, um noch als Absorber zu gelten:

Absorberklassealpha_w-BereichEinordnung im Praxisgebrauch
A0,90 bis 1,00Vollabsorber, ideal für akustisch anspruchsvolle Räume, Studios, Konferenzsäle
B0,80 bis 0,85Sehr guter Absorber, oft in Büros, Schulen, Restaurants
C0,60 bis 0,75Guter Absorber, Wohnraum, Homeoffice, Praxen
D0,30 bis 0,55Mittelmässig, teilweise für Nebenräume geeignet
E0,15 bis 0,25Schwach, kaum planungsrelevant, oft nur Deko
(F)unter 0,15Kein Absorber, sondern normale Bauteilfläche
Der große Nachteil dieser Klassifizierung: Zwei Materialien mit identischem alpha_w von zum Beispiel 0,80 können sich in ihrer Frequenzkurve massiv unterscheiden. Das eine schluckt Bässe sauber ab, das andere ignoriert sie völlig. Auf der Verpackung: gleiche Zahl. Auf dem Datenblatt bei 125 Hertz: einmal 0,60, einmal 0,05. Wer das nicht weiß, kauft nach Etikett und wundert sich hinterher, warum sein Wohnzimmer immer noch dröhnt, obwohl er "sehr gut" absorbierendes Material gekauft hat. Wenn im Datenblatt zusätzlich zur alpha_w-Klasse Formzeichen wie L (für besonders wirksam im Tieftonbereich), M (Mitten) oder H (Höhen) stehen, sind diese Hinweise auf ein untypisches Frequenzprofil und sollten ernstgenommen werden (Preform zur Bedeutung der Absorberklassen und Formzeichen, Trikustik zum Umgang mit ungewöhnlichen Frequenzprofilen).

NRC: der amerikanische Vetter

Während Europa mit alpha_w rechnet, benutzt Nordamerika seit Jahrzehnten den NRC-Wert (Noise Reduction Coefficient). Die Berechnung ist deutlich simpler: Man nimmt die Absorptionsgrade bei 250, 500, 1000 und 2000 Hertz, addiert sie und teilt durch vier. Fertig. Ein Material mit alpha-Werten von 0,60 / 0,80 / 0,90 / 0,85 in diesen vier Bändern hat einen NRC von 0,79, gerundet auf 0,80. Der NRC-Wert wird üblicherweise auf 0,05 Schritte gerundet (ASTM C423-22 Standard Test Method for Sound Absorption in a Reverberation Room, Rockfon zur Umrechnung zwischen NRC und alpha_w).

Der Vorteil: einfache Berechnung, einfacher Vergleich. Der Nachteil: NRC ignoriert die Basswerte bei 125 Hertz und die hohen Frequenzen bei 4000 Hertz komplett. Ein Material, das bei 125 Hertz katastrophal versagt (Basotect zwei Zentimeter, alpha = 0,05 bei 125 Hertz), kann bei den vier NRC-Frequenzen trotzdem gut aussehen. Der NRC schmeichelt dünnen Absorbern und benachteiligt Basstraps.

Grober Umrechnungsdaumen: NRC und alpha_w unterscheiden sich meistens um 0,05 bis 0,10 Punkte, wobei alpha_w in der Regel konservativer ausfällt, weil das Verfahren für Abweichungen von der Referenzkurve bestraft. Ein NRC von 0,85 entspricht meistens einem alpha_w zwischen 0,75 und 0,85. Wer aus amerikanischen Datenblättern in europäische Klassen umrechnen will, sollte lieber die einzelnen Frequenzwerte anschaün als sich auf diese Umrechnung zu verlassen (Kinetics Noise Control mit ausführlicher Umrechnungstabelle NRC zu alpha_w, monofaktur zur Interpretation der Kennwerte im Vergleich).

Die Referenztabelle: 25 Materialien in sechs Frequenzbändern

Was folgt, ist die zentrale Tabelle dieses Artikels. Sie enthält fünfundzwanzig Materialien, die im Bauwesen und in der Raumakustik regelmäßig auftauchen, jeweils mit ihren typischen alpha-Werten in den sechs Terzbändern von 125 bis 4000 Hertz. Die Werte stammen aus einer Kombination von Herstellerangaben (Basotect, Rockfon, Owa, Heradesign, Isover, Rockwool), akademischen Referenzsammlungen (Fasold/Veres, Cremer/Müller) und normativen Werten aus Anhängen zu DIN 18041 und ISO 12354. Die Werte sind Durchschnittswerte für typische Einbauzustände und können im Einzelfall um zehn bis zwanzig Prozent nach oben oder unten abweichen (Fasold/Veres, Schallschutz und Raumakustik in der Praxis, Kapitel Materialtabellen, Cremer/Müller, Die wissenschaftlichen Grundlagen der Raumakustik, Band 2 Anhang, DIN 18041:2016 Anhang B Materialwerte):

Material125 Hz250 Hz500 Hz1000 Hz2000 Hz4000 Hzalpha_wKlasse
Beton, glatt geschalt0,020,020,020,040,050,050,05F
Ziegelmaürwerk, unverputzt0,030,030,030,040,050,070,05F
Kalk-Zement-Putz auf Mauerwerk0,020,020,030,040,050,050,05F
Gipskartonplatte 12,5 mm auf Lattung0,290,100,050,040,070,090,10 (L)E
Fensterglas 4 mm0,350,250,180,120,070,040,15 (L)E
Holzfußboden auf Lagerhölzern0,150,110,100,070,060,070,10F
Linoleum auf Beton verklebt0,020,030,030,030,040,040,05F
Parkett auf Estrich0,040,040,070,060,060,070,10F
Teppichboden 6 mm auf Beton0,030,090,200,540,700,720,35 (H)D
Teppichboden mit Filzunterlage 10 mm0,100,200,450,700,800,800,60C
Vorhang schwer 500 g/m2, gefaltet0,070,310,490,750,700,600,65C
Bücherregal offen, gefüllt0,150,200,250,300,350,350,25E
Sofa Stoff, gepolstert (pro Sitz)0,150,400,550,700,700,650,60C
Publikum stehend (pro Person, m2)0,160,420,700,850,850,850,80B
Basotect Melaminharz 3 cm0,100,400,750,951,001,000,90A
Basotect Melaminharz 5 cm0,200,600,951,001,001,000,95A
Basotect Melaminharz 8 cm0,350,851,001,001,001,001,00A
Mineralwolle 5 cm, 40 kg/m30,150,550,901,001,001,000,90A
Mineralwolle 10 cm, 40 kg/m30,400,901,001,001,001,001,00A
Rockfon Sonar Deckenplatte 20 mm0,300,750,900,950,950,900,90A
Rockfon Blanka 40 mm mit Abhänger0,550,851,001,001,001,001,00A
Heradesign superfine 25 mm0,350,550,600,700,800,850,70C
Noppenschaum 5 cm0,080,200,500,800,850,800,65C
Textilbespannter Rahmenabsorber 10 cm0,450,800,951,001,000,951,00A
Perforierte Metalldecke mit Vlies0,150,400,700,800,750,700,70C
Was aus dieser Tabelle sofort ins Auge springt, ist die brutale Konsistenz der Baustoff-Standardklasse. Beton, Putz, Linoleum und glatte Wände liegen über den gesamten Frequenzbereich hinweg zwischen 0,02 und 0,07. Sie leisten praktisch nichts. Wer einen Raum ohne zusätzliche Absorber baut, hat einen Nachhall, den die Sabin-Formel im Sekundenbereich vorhersagt, oft drei bis fünf Sekunden bei einem mittelgroßen Raum ohne Möbel. Auffällig ist auch der Bass-Ausreißer Fensterglas: 4 mm Glas wirkt bei 125 Hertz erstaunlich gut mit alpha = 0,35, weil das Glas als Plattenschwinger arbeitet und der Bass die Scheibe in Bewegung versetzt. Bei hohen Frequenzen wird Glas dann wieder reflektiv, weil die Wellen zu kurz sind, um die Platte auszulenken. Das erklärt, warum ein Raum mit vielen Fenstern zwar bassärmer klingt als erwartet, in den Höhen aber halliger wirkt. Wer schon einmal in einem verglasten Konferenzraum mit polierten Betonböden gesessen hat, weiß, wie sich diese Kombination anhört: dumpfer Bass, klirrende Sprachverständlichkeit (BauNetz Wissen zu Absorptionswerten von Glas und Plattenschwingern, Ingenieurbüro Genest zu Referenzwerten von Standardbaustoffen in der Raumakustik).

Die Porösen Absorber (Basotect, Mineralwolle, Melaminschaum, Steinwolle) zeigen alle das gleiche Grundmuster: schwach im Bass, stark in den Mitten und Höhen. Die Kurve steigt zwischen 125 und 500 Hertz steil an und flacht dann bei nahezu perfekter Absorption ab. Wie hoch die Kurve schon bei 125 Hertz beginnt, hängt fast ausschließlich von der Materialdicke ab. Drei Zentimeter Basotect: 0,10 bei 125 Hertz. Acht Zentimeter Basotect: 0,35 bei 125 Hertz. Das sind, in absoluten Zahlen, immer noch keine großartigen Werte, aber sie sind spürbar, weil sie den Übergangsbereich zwischen Bass und Grundton (200 bis 400 Hertz) sauber abdecken, wo die menschliche Sprache ihre Wärme entwickelt (SprutCAM zu Absorbertypen und Frequenzverhalten, aixfoam-Datenblatt Melaminharzschaum in verschiedenen Dicken).

Das Publikum in der Tabelle ist übrigens keine Beleidigung, sondern die relevanteste Größe in Konzertsälen und Kirchen. Ein Mensch, der stehend im Raum steht, absorbiert etwa 0,50 bis 0,80 Sabin pro Quadratmeter Sitzfläche. Ein voll besetzter Kirchraum klingt deshalb komplett anders als ein leerer, und Toningenieure planen für beide Zustände separate Beschallungsprofile. Wer schon mal in einer leeren Kirche laut gesprochen hat und dann bei einer Trauung die gleiche Kirche voll besetzt erlebt, kennt die Wirkung von 200 zusätzlichen Sabin-Punkten aus eigener Anschauung (Cremer/Müller Band 1 Kapitel Publikumseinfluss auf Nachhallzeit, Barron zur Publikumsabsorption in Konzertsälen, Auditorium Acoustics and Architectural Design).

Die Sabin-Formel: aus alpha wird Nachhallzeit

Absorbergrade allein sind für den Planer nur die halbe Miete. Was er wirklich braucht, ist eine Vorhersage, wie lange der Nachhall im fertigen Raum daürt. Dafür gibt es seit 1898 die Formel, die Wallace Clement Sabine aus seinen Harvard-Messungen abgeleitet hat und die bis heute die Grundlage der Raumakustik bildet:

*T = 0,163 V / A*

Dabei ist T die Nachhallzeit in Sekunden, V das Raumvolumen in Kubikmetern und A die äquivalente Absorptionsfläche in Quadratmeter-Sabin. Die äquivalente Absorptionsfläche ergibt sich aus der Summe der Produkte alpha mal Fläche für jede einzelne Materialoberfläche im Raum. Die Formel funktioniert am besten für diffus reflektierende Räume mit gleichmäßig verteilten Absorbern und wird bei sehr stark bedämpften Räumen zunehmend ungenau (dort greift die Eyring-Formel, die aber für die meisten Bauakustik-Anwendungen zu aufwendig ist). Für den Ingenieur, der vor dem Katalog steht, reicht die Sabin-Formel völlig aus (Sengpielaudio-Rechner zur Sabin-Formel mit Erläuterung, BauNetz Wissen zur Herleitung der Sabin-Formel und Grenzen).

Wichtig ist die Konvention: Die Frequenzabhängigkeit gilt auch für die Nachhallzeit. Ein Raum hat nicht eine, sondern sechs Nachhallzeiten, jeweils in den Terzbändern von 125 bis 4000 Hertz. In der Praxis wird meist der Mittelwert der Bänder 500 und 1000 Hertz betrachtet, weil sie den Sprachbereich abdecken. DIN 18041 fordert je nach Raumnutzung bestimmte Sollwerte, meistens zwischen 0,4 und 0,8 Sekunden für Büros und Konferenzräume (DIN 18041:2016 Sollwerte für verschiedene Raumnutzungen, Akustikkompetenz zur praktischen Anwendung der DIN 18041 im Büroumfeld).

Rechenbeispiel: der Konferenzraum aus der Einleitung

Zurück zum Bauingenieur aus dem ersten Absatz. Er plant einen Konferenzraum mit fünfzig Quadratmetern Grundfläche und drei Metern Deckenhöhe, also 150 Kubikmeter Volumen. Boden ist Parkett auf Estrich, Wände sind glatt geputzt, die Decke ist Sichtbeton, an einer Wand steht eine Fensterfront (10 m2 Glas), an der gegenüberliegenden Wand ein Bücherregal (4 m2 offene Regalfläche). In der Mitte ein Konferenztisch mit zehn Stühlen (aber ohne Personen, weil der Raum leer geplant wird und die Anforderung sich auf den leeren Raum bezieht).

Wir rechnen die äquivalente Absorptionsfläche bei 500 Hertz durch:

  • Boden Parkett 50 m2 0,07 = 3,5 Sabin
  • Decke Sichtbeton 50 m2 0,02 = 1,0 Sabin
  • Wandfläche Putz gesamt 46 m2 0,03 = 1,4 Sabin (nach Abzug von Fenstern und Regal)
  • Fensterfläche 10 m2 0,18 = 1,8 Sabin
  • Bücherregal 4 m2 0,25 = 1,0 Sabin
  • Gesamt A = 8,7 Sabin

Damit ergibt sich T = 0,163 150 / 8,7 = 2,8 Sekunden.

Der Ingenieur weiß aus DIN 18041, dass Konferenzräume dieser Größe bei 0,6 Sekunden liegen sollten. Er ist um Faktor 4,7 zu hoch. Der Raum wird sich anhören wie eine Kellerpassage, in der die Kollegen einander um den Verstand schreien, ohne einander verstehen zu können. Man müsste den Raum mit 41 Sabin zusätzlicher Absorption ausstatten, um auf T = 0,6 s zu kommen. Das entspricht einer Zusatzfläche von rund 43 Quadratmetern Basotect 5 cm (alpha = 0,95) oder 46 Quadratmetern Rockfon Sonar Deckenplatte (alpha = 0,90).

Wenn er stattdessen die gesamte Decke (50 m2) mit Basotect 5 cm belegt und den Rest des Raumes unverändert lässt, bekommt er:

  • Decke Basotect 5 cm 50 m2 0,95 = 47,5 Sabin (statt 1,0 Sabin Beton)
  • alle anderen Flächen unverändert = 7,7 Sabin
  • Gesamt A = 55,2 Sabin

T = 0,163 150 / 55,2 = 0,44 Sekunden.

Das ist deutlich unter dem Sollwert und würde in einem Konferenzraum wahrscheinlich zu dumpf klingen. Er reduziert die Basotect-Fläche auf 20 Quadratmeter (statt der gesamten Decke), verteilt sie als Wolke über dem Konferenztisch und behält den Rest der Decke im Sichtbeton. Neü Rechnung:

  • Basotect 5 cm auf 20 m2 0,95 = 19,0 Sabin
  • Restliche Decke 30 m2 0,02 = 0,6 Sabin
  • alle anderen Flächen unverändert = 7,7 Sabin
  • Gesamt A = 27,3 Sabin

T = 0,163 150 / 27,3 = 0,90 Sekunden.

Immer noch zu hoch für DIN 18041, aber der Sprung von 2,8 auf 0,9 Sekunden ist die entscheidende Reduktion. Um von 0,9 auf 0,6 Sekunden zu kommen, muss er zusätzlich einen der Böden oder eine der Wände bedämpfen. Ein Teppichboden auf dem Parkett würde den Wandboden von 3,5 auf 45 Sabin heben (50 m2 0,90 = 45), die Rechnung wäre dann bei T = 0,163 150 / 68 = 0,36 s, also wieder zu tief. Praxislösung: ein 8 m2 großer Teppichläufer unter dem Tisch (8 m2 0,90 = 7,2 Sabin) und die 20 m2 Basotect an der Decke bringen T auf rund 0,62 Sekunden. Das ist der Zielwert (Bauphysik-Verlag Beispielrechnung DIN 18041 für Konferenzräume, Trikustik Planungshilfe mit Rechenbeispielen).

Der Punkt an diesem Beispiel ist nicht die konkrete Zahl (die hängt von zwanzig Details ab, die sich zwischen Neubau und Bestand unterscheiden), sondern die Größenordnung. Ein leerer Raum mit Standardbaustoffen liegt fast immer zwischen zwei und vier Sekunden Nachhall. Zwanzig Prozent der Deckenfläche mit einem Klasse-A-Absorber ausstatten senkt den Wert um Faktor drei bis vier. Weitere Bedämpfung über Vorhänge, Teppiche, Polstermöbel und akustisch wirksame Wandelemente bringt den Rest. Wer sich diese Größenordnungen einprägt, kann bei den meisten Büroplanungen ohne detaillierte Rechnung eine erste Schätzung abgeben, die nicht danebenliegt.

Wie man ein Datenblatt richtig liest

Das Datenblatt eines seriösen Herstellers folgt einem festen Schema, das sich zwischen den Anbietern nur geringfügig unterscheidet. Oben stehen Produktname und Materialart, dann die Rohdichte (wichtig für die Bauakustik im Sinne der Trittschallwirkung), die geometrischen Abmessungen und die Brandschutzklasse nach EN 13501-1. Darauf folgt der akustische Kern des Datenblatts: eine Tabelle mit sechs Terzband-Werten, ein alpha_w mit Klassenangabe, ein NRC-Wert (bei internationalen Herstellern) und optional ein Diagramm der Frequenzkurve. Wichtig sind vier Detailangaben, die oft überlesen werden:

Erstens die Montageart nach ISO 354 (A, B, D, E oder J). Montage A bedeutet direktes Aufkleben auf hartes Substrat, B eine Aufhängung mit Luftspalt von 200 mm, E freischwebende Rasterdecke mit 100 mm Abhängung. Der gleiche Absorber liefert je nach Montageart bis zu dreißig Prozent unterschiedliche Werte, weshalb der Prospektwert immer im Kontext des tatsächlichen Einbauzustands zu lesen ist.

Zweitens die Messmethode. Steht ISO 354 daneben, sind Hallraumwerte gemeint, was für die meisten Planungszwecke sinnvoll ist. Steht ISO 10534, hat der Hersteller nur mit dem Impedanzrohr gemessen, was für dünne, gleichmäßige Absorber okay ist, für strukturierte oder inhomogene Materialien aber wenig aussagekräftig.

Drittens die Streuung der Messwerte. Ehrliche Datenblätter geben eine Toleranz von plus/minus 0,05 bis 0,10 pro Wert an, weil die Messreproduzierbarkeit im Hallraum diese Größenordnung hat. Wenn ein Datenblatt so tut, als seien die Werte auf 0,01 genau, ist Skepsis angebracht.

Viertens die Grenzen der Aussage. Ein Absorber, der als Wandabsorber getestet wurde, verhält sich anders, wenn er unter der Decke hängt. Ein Deckenabsorber, der frei abgehängt getestet wurde, hat andere Werte, wenn er direkt an die Betondecke geschraubt wird. Wer im Datenblatt nur einen einzigen Einbauzustand findet, sollte im Zweifel den Hersteller anschreiben und die Werte für die geplante Situation nachfragen (Trikustik zur Datenblatt-Lesehilfe für Bauakustiker, Rockfon-Whitepaper zum Umgang mit unterschiedlichen Einbauzuständen).

Sicherheitsmarge zwischen Prospekt und Einbau

Was in keinem Datenblatt steht, aber jeder erfahrene Bauakustiker aus Nachmessungen weiß: die realen Absorptionswerte im eingebauten Zustand liegen fast immer unter den Prospektwerten. Die Streuung beträgt üblicherweise zehn bis zwanzig Prozent, in unglücklichen Fällen auch mehr. Die Gründe dafür sind vielfältig. Erstens werden die Prospektwerte oft mit frischem Material im idealen Einbauzustand gemessen. Zweitens verringert sich die Absorption an Randbereichen (Anschlüsse, Kanten, Übergänge) merklich. Drittens sammelt poröses Material im Laufe der Jahre Staub, was besonders bei mineralischen Absorbern die Absorption in den Höhen reduzieren kann. Viertens sind die Hallraumergebnisse für diffuse Schallfelder gültig, während echte Räume oft weniger diffus sind, was besonders bei ungleichmäßig verteilten Absorbern zu Abweichungen führt.

Praxis-Empfehlung: Bei der Auslegung einer Raumakustik-Maßnahme sollten die Prospektwerte um mindestens fünfzehn Prozent gedämpft angesetzt werden, also alpha_effektiv = alpha_prospekt 0,85. Wer besonders anspruchsvolle Anforderungen hat (Studio, Konferenzsaal, öffentliches Gebäude), sollte zusätzlich einen Reserveposten von zehn bis zwanzig Prozent zusätzlicher Absorberfläche einplanen. Diese Marge lieber vorab einkalkulieren, als später nachnachrüsten. Ein Nachmessungstermin nach der Fertigstellung ist bei größeren Projekten Pflicht, um zu prüfen, ob die geplante Nachhallzeit tatsächlich erreicht wurde und ob eventuell nachjustiert werden muss (Ingenieurbüro Genest zur Praxisstreuung von Absorptionswerten, Fasold/Sonntag zur Reserveauslegung in der Bauakustik).

Anwendungsfelder mit typischen Sollwerten

Die Referenztabelle oben ist nur dann nützlich, wenn man weiß, welche Kombination für welche Nutzung passt. Ein paar typische Anwendungsfelder mit ihren praxisüblichen Anforderungen:

Wohnzimmer-Sanierung in einem Altbau: 25 Quadratmeter Grundfläche, 2,80 Meter Deckenhöhe, Sichtparkett, verputzte Wände, zwei Fenster. Zielwert nach DIN 18041 ist hier informal (die Norm regelt Wohnräume nicht direkt), aber viele Bewohner empfinden 0,4 bis 0,6 Sekunden als angenehm. Lösung: schwere Vorhänge an beiden Fenstern (rund 5 m2 gefaltete Stofflänge, jeweils Klasse C), ein großer Teppich (10 m2, Klasse C bis D), ein Polstersofa (rechnerisch 3 bis 5 Sabin) und optional ein bis zwei akustisch wirksame Wandbilder. Diese Kombination bringt den Nachhall in den Zielbereich, ohne dass die Wohnung "wie ein Studio" aussieht. Konferenzraum-Planung wie im Rechenbeispiel: 50 Quadratmeter, Zielwert 0,6 Sekunden. Klare Empfehlung: 20 bis 30 Prozent der Deckenfläche mit Klasse-A-Absorbern (Basotect, Rockfon, Ecophon) belegen, kombiniert mit einem Teppichläufer unter dem Konferenztisch. Vorhänge an der Fensterseite als zusätzliche Bedämpfung, falls die Frequenzkurve im Bassbereich zu schlank ist. Tonstudio-Grundlage: Hier gelten völlig andere Regeln. Zielwerte in Regie und Aufnahmeraum liegen bei 0,2 bis 0,4 Sekunden, gleichmäßig über alle Frequenzen. Der Bass muss zusätzlich mit Basstraps (Bassabsorbern mit Wandabstand oder Membranresonatoren) bedämpft werden, weil poröse Absorber allein die tiefen Frequenzen nicht ausreichend abdecken. Das gilt insbesondere für den Frequenzbereich unter 100 Hertz, wo selbst 20 cm dicke Steinwolle noch bei alpha = 0,50 liegt. Restaurant-Akustik: DIN 18041 nennt für Gaststätten je nach Größe Sollwerte von 0,6 bis 0,9 Sekunden. Bei einem 200 qm-Restaurant mit voll besetzten Tischen tragen die Gäste selbst rund 60 bis 80 Prozent der Absorption bei, weshalb die architektonische Auslegung für den leeren Zustand gemacht werden muss. Deckensegel aus Basotect (20 bis 30 Prozent der Deckenfläche), akustisch wirksame Wandpaneele im Barbereich und Teppich in der Sitzzone sind die Standardkombination (DIN 18041:2016 Tabelle A.1 Sollwerte nach Raumnutzung, Akustikbüro Schmidt zu Restaurantakustik in der Praxis). Klassenzimmer: Vorschriftswert nach DIN 18041 bei 250 qm Klassenräumen liegt bei 0,55 s (bei niedrigerem Volumen entsprechend geringer). Wichtig ist hier die Sprachverständlichkeit, gemessen als Speech Transmission Index (STI). Werte über 0,60 gelten als "gut", über 0,75 als "ausgezeichnet". Um dies zu erreichen, ist eine Vollbedämpfung der Decke üblich (Klasse A oder B), teilweise ergänzt durch Wandabsorber in Kopfhöhe.

Fazit: eine Tabelle, aber viel Kopfarbeit

Der Bauingenieur aus der Einleitung schließt den gelben Ordner, nimmt sein Notebook und beginnt seine eigene Vergleichstabelle zu baün. Zehn Zeilen, sechs Spalten, alpha_w in der letzten Spalte. Er hat inzwischen begriffen, dass diese Tabelle nur der Anfang der Arbeit ist. Sie hilft ihm, aus dem chaotischen Materialkatalog die drei bis fünf Kandidaten für sein Projekt zu identifizieren. Danach kommt die eigentliche Planung: Sabin-Rechnung für die Zielnachhallzeit, Berücksichtigung der Frequenzabhängigkeit, Aufschlag der Sicherheitsmarge, Abstimmung mit Brandschutz, Kosten und Optik. Der Katalog hat sich von einer verwirrenden Sammlung von Datenblättern in ein Werkzeug verwandelt.

Die zentrale Einsicht, die jeder mitnehmen sollte, der zum ersten Mal Absorptionsgrade vergleicht: Es gibt keinen "besten" Absorber. Es gibt nur Absorber, die im gewünschten Frequenzbereich passen. Ein Klasse-A-Material, das im Bass versagt, ist für ein Tonstudio unbrauchbar, während ein Klasse-B-Material mit sauberer Basswirkung für einen Konferenzraum die bessere Wahl sein kann. Die Klasse allein sagt zu wenig aus. Die Frequenzkurve sagt fast alles. Und die Sabin-Formel übersetzt beides in die Zahl, die den Bauherren interessiert: die Sekunden, die der Klatsch nach dem Aus-Machen des Lautsprechers noch nachhallt.

Die 25 Materialien aus der Referenztabelle decken die große Mehrheit der Bauakustik-Anwendungen ab. Wer sie kennt, hat einen soliden Referenzrahmen, um mit Datenblättern und Herstellerbroschüren sinnvoll umzugehen. Der Rest ist Rechenarbeit, Erfahrung und die Bereitschaft, nach der Fertigstellung einmal nachzumessen, ob die Vorhersage stimmte. In der Regel stimmt sie mit einer Streuung von zehn bis fünfzehn Prozent. Wer diese Marge im Kopf hat, plant realistisch. Wer sie ignoriert, plant Überraschungen.

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