Wer zwei Wärmepumpen vergleicht, stößt schnell auf ein Ärgernis. Hersteller A gibt 55 Dezibel an, Hersteller B nennt 45. Die Entscheidung scheint klar, bis man das Kleingedruckte liest: A meint den Schallleistungspegel, B den Schalldruckpegel in drei Metern Abstand. Umgerechnet ist B nicht leiser, sondern lauter.
Das ist kein Einzelfall und meistens auch kein Betrug. Es sind schlicht zwei verschiedene Größen, die beide in Dezibel angegeben werden und deshalb verwechselbar sind.
Der Unterschied in einem Satz
Der Schallleistungspegel beschreibt, wie viel Schallenergie ein Gerät insgesamt abstrahlt. Das ist eine Eigenschaft des Geräts, unabhängig davon, wo es steht, wie weit man entfernt ist und ob eine Wand daneben reflektiert. Abgekürzt wird er L_WA, manchmal auch L_W oder einfach "Schallleistung".
Der Schalldruckpegel beschreibt, wie laut es an einem bestimmten Ort tatsächlich ist. Er hängt vom Abstand ab, von der Umgebung und von der Aufstellsituation. Abgekürzt L_pA, manchmal L_p.
Eine Analogie, die trägt: Der Schallleistungspegel ist die Wattzahl einer Glühbirne, der Schalldruckpegel die Helligkeit auf dem Schreibtisch. Die Wattzahl bleibt gleich, egal wo die Lampe hängt. Die Helligkeit auf dem Tisch ändert sich, sobald man die Lampe verschiebt.
Daraus folgt das Wichtigste: Nur der Schallleistungspegel ist zwischen Herstellern vergleichbar. Ein Schalldruckpegel ohne Angabe des Abstands ist wertlos, weil die Zahl beliebig klein wird, wenn man weit genug weggeht.
Woran man erkennt, welche Zahl gemeint ist
Drei Anhaltspunkte helfen beim Lesen eines Datenblatts.
Die Abkürzung. Ein W im Index steht für Leistung, ein p für Druck. L_WA ist also die Schallleistung, L_pA der Schalldruck. Das A in beiden Fällen steht für die A-Bewertung, eine Filterkurve, die dem Frequenzgang des menschlichen Gehörs nachempfunden ist. Die Abstandsangabe. Steht neben der Zahl eine Entfernung, etwa "in 1 m" oder "in 3 m", handelt es sich zwingend um einen Schalldruckpegel. Ein Schallleistungspegel hat keinen Abstand, weil er keinen braucht. Die Höhe der Zahl. Bei Geräten im Haushalts- und Gebäudebereich liegt der Schallleistungspegel typischerweise 8 bis 11 Dezibel über dem Schalldruckpegel in einem Meter. Wer zwei Zahlen sieht, die etwa zehn auseinanderliegen, hat wahrscheinlich beide Größen desselben Geräts vor sich.Ein praktischer Hinweis: Auf dem europäischen Energieeffizienzlabel muss der Schallleistungspegel angegeben werden. Wer das Label findet, hat die vergleichbare Zahl.
Die Umrechnung
Zwischen beiden Größen steht eine Formel, die einfacher ist, als sie aussieht. Für eine Punktschallquelle unter Freifeldbedingungen gilt:
L_pA = L_WA − 10 · log(S / S₀)
S ist dabei die Fläche, über die sich der Schall im betrachteten Abstand verteilt, S₀ die Bezugsfläche von einem Quadratmeter. Was das praktisch heißt, hängt davon ab, wie frei das Gerät steht:
| Aufstellung | Abzug bei 1 m Abstand |
|---|---|
| Freistehend im Raum, Schall in alle Richtungen (Vollkugel) | L_WA − 11 |
| Auf dem Boden, Schall nach oben und zur Seite (Halbkugel) | L_WA − 8 |
| An einer Wand auf dem Boden (Viertelkugel) | L_WA − 5 |
| In einer Ecke zwischen zwei Wänden (Achtelkugel) | L_WA − 2 |
Und dann der Abstand
Über die Umrechnung hinaus gilt die Abstandsregel: Bei einer Punktschallquelle im Freifeld sinkt der Schalldruckpegel bei jeder Verdopplung der Entfernung um etwa 6 Dezibel.
Ein Rechenbeispiel für ein Gerät mit 55 dB(A) Schallleistung, auf dem Boden vor einer Hauswand, also Viertelkugel:
| Abstand | Schalldruckpegel |
|---|---|
| 1 m | etwa 50 dB(A) |
| 2 m | etwa 44 dB(A) |
| 4 m | etwa 38 dB(A) |
| 8 m | etwa 32 dB(A) |
| 16 m | etwa 26 dB(A) |
Wie sich das im Nachbarrecht auswirkt und warum ein Gerät seit 2025 in Bayern direkt an der Grenze stehen darf und trotzdem nicht darf, steht im Artikel über den Abstand der Wärmepumpe zum Nachbarn in Bayern. Die Grenzwerte im Detail stehen im Artikel über die TA Lärm bei Klimaanlagen.
Wo die Überschlagsrechnung an ihre Grenzen kommt
Diese Zahlen sind eine Abschätzung, keine Prognose. Vier Dinge verschiebt die einfache Rechnung, und zwar immer in dieselbe Richtung: nach oben.
Reflexionen an Wänden, Zäunen und Nachbarhäusern addieren sich. Wer zwischen zwei Gebäuden misst, bekommt regelmäßig mehr als die Formel hergibt, weil der Schall mehrfach hin und her geworfen wird.
Die TA Lärm sieht Zuschläge für Ton- und Impulshaltigkeit vor. Ein Gerät, dessen Geräusch einen deutlich heraushörbaren Einzelton enthält, etwa ein Pfeifen oder Brummen des Ventilators, wird mit bis zu 6 Dezibel Aufschlag bewertet. Das ist keine Messgröße, sondern eine Bewertung, und sie trifft genau die Geräte, über die sich Nachbarn beschweren. Ein gleichmäßiges Rauschen mit 45 dB(A) stört weniger als ein Brummen mit 40.
Der Untergrund spielt mit. Rasen schluckt etwas, Pflaster und Beton nicht.
Und schließlich: Herstellerangaben gelten für den Normbetrieb. Eine Wärmepumpe im Abtaubetrieb an einem feuchten Januarmorgen ist lauter als im Datenblatt, weil der Ventilator hochdreht.
Die Zahlentricks, die man kennen sollte
Es gibt ein paar Angaben, bei denen Vorsicht angebracht ist. Keine davon ist verboten, alle sind irreführend.
Der Schalldruckpegel ohne Abstand. "45 dB(A)" ohne weitere Angabe sagt nichts. Es könnte in einem Meter gemessen sein oder in zehn, und dazwischen liegen 20 Dezibel. Der Silent-Mode als Hauptangabe. Manche Datenblätter nennen prominent den reduzierten Nachtbetrieb und den Normalbetrieb erst in der Fußnote. Der Silent Mode kostet Heizleistung und läuft nicht ganzjährig. Für den Vergleich gehört der Wert im Regelbetrieb herangezogen. Die Messung im Teillastbetrieb. Eine Anlage, die bei halber Last gemessen wurde, ist leiser als dieselbe Anlage bei Volllast im Februar. Die Angabe ist korrekt und beschreibt den Fall nicht, der Streit verursacht. Der Vergleich mit Alltagsgeräuschen. "So leise wie ein Kühlschrank" ist Marketing, keine Angabe. Kühlschränke reichen von 32 bis 45 dB(A), und der Vergleich verschweigt, dass der Kühlschrank in der Küche steht und nicht nachts unter dem Schlafzimmerfenster des Nachbarn.Was hängenbleiben sollte
Wenn Sie sich eine Sache merken: Vergleichen Sie Geräte ausschließlich über den Schallleistungspegel, und achten Sie darauf, dass beide Angaben aus demselben Betriebszustand stammen.
Alles Weitere entscheidet sich ohnehin nicht am Gerät, sondern an der Aufstellung. Zwischen der Ecke und dem freien Garten liegen rund 9 Dezibel, und zwischen zwei und acht Metern Abstand noch einmal 12. Zusammen ist das mehr, als die Unterschiede zwischen zwei ernstzunehmenden Herstellern je ausmachen werden.
Quellen: Grundlagen zu Schalldruck- und Schallleistungspegel sowie zu den Abzügen je Abstrahlsituation, unter anderem Bitzer, Schall-Grundlagen (PDF), passiontec.de und sp-laermschutz.de · Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, IFA, "Geräuschemissions-Kennwerte und Normen zu ihrer Bestimmung" · Sechste Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (TA Lärm), Immissionsrichtwerte und Zuschläge für Ton- und Impulshaltigkeit · Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V., Leitfaden Schall und Schallrechner
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