Auf der Packung ist die Sache schnell entschieden. Alpine SleepSoft: 25 dB. Alpine SleepDeep: 27 dB. Zwei Dezibel mehr für sechs Euro Aufpreis, und wer nachts wirklich Ruhe will, greift zum teureren Modell. So steht es sinngemäß auch in der FAQ des Herstellers, der den Unterschied auf "Design und Schalldämmung" zurückführt.
Interessant wird es eine Etage tiefer. Alpine veröffentlicht für beide Stöpsel die vollständige Messtabelle nach Frequenzen, acht Werte von 63 bis 8.000 Hertz. Legt man die beiden Tabellen nebeneinander, kippt die Reihenfolge. Im gesamten Bereich von 63 bis 1.000 Hertz dämmt der vermeintlich schwächere SleepSoft mehr als der SleepDeep. Seinen höheren Gesamtwert holt der SleepDeep fast ausschließlich in den hohen Tönen.
Wer nachts vor allem Brummen, Rollen und Schnarchen hört, ist mit dem billigeren Stöpsel nicht schlechter bedient, eher im Gegenteil.
Die zwei Datenblätter nebeneinander
Die Werte stammen von den Produktseiten bei alpine-gehoerschutz.de, Stand Oktober 2026. Angegeben ist jeweils der Mittelwert und der sogenannte angenommene Schutzwert (APV). Der APV zieht vom Mittelwert die Standardabweichung ab und beschreibt damit, was der Stöpsel bei der großen Mehrheit der Träger mindestens schafft. Für den Vergleich ist er die ehrlichere Zahl.
| Frequenz | SleepSoft APV | SleepDeep APV | Differenz |
|---|---|---|---|
| 63 Hz | 22,6 dB | 20,5 dB | SleepSoft +2,1 |
| 125 Hz | 24,2 dB | 22,1 dB | SleepSoft +2,1 |
| 250 Hz | 22,1 dB | 19,7 dB | SleepSoft +2,4 |
| 500 Hz | 23,1 dB | 20,8 dB | SleepSoft +2,3 |
| 1.000 Hz | 24,1 dB | 21,7 dB | SleepSoft +2,4 |
| 2.000 Hz | 25,8 dB | 27,0 dB | SleepDeep +1,2 |
| 4.000 Hz | 26,4 dB | 33,6 dB | SleepDeep +7,2 |
| 8.000 Hz | 19,2 dB | 35,7 dB | SleepDeep +16,5 |
Warum der SleepDeep trotzdem den höheren SNR-Wert bekommt, liegt an der Rechnung. Der SNR fasst alle Frequenzen zu einer Zahl zusammen und gewichtet dabei nach einem genormten Referenzgeräusch und nach dem menschlichen Gehör, das im Bereich von zwei bis vier Kilohertz am empfindlichsten ist. Starke Werte oben herum schlagen deshalb kräftig durch. Wie solche Einzahlwerte entstehen und warum sie wenig über ein konkretes Geräusch aussagen, steht im Artikel über Schalldruck und Schallleistung.
Was zwei Dezibel im Bass wert sind
Man sollte den Vorsprung des SleepSoft nicht größer reden, als er ist. Zwei Dezibel sind gerade an der Grenze dessen, was man im direkten Vergleich hört. Dazu kommt ein Messproblem, das der Akustiker Elliott Berger schon 1986 im Journal of the Acoustical Society of America beschrieben hat: Bei der üblichen Prüfmethode am menschlichen Ohr (REAT) überdecken körpereigene Geräusche im verschlossenen Gehörgang die leisen Prüftöne. Das lässt die Dämmung unterhalb von 500 Hertz besser aussehen, als sie ist, laut Berger um bis zu etwa 5 dB und unter 125 Hertz auch mehr.
Dieser Fehler trifft beide Stöpsel gleich, die Reihenfolge bleibt also bestehen. Er sagt aber etwas über die absoluten Zahlen: Wie viel Bass ein Ohrstöpsel tatsächlich wegnimmt, ist im Labor schwer zu fassen, und eher weniger als angegeben.
Spannender ist ein anderer Vergleich. Beim Schaumstoffklassiker 3M E-A-R Classic weist das Datenblatt bei 125 Hertz einen Schutzwert von 24,2 dB aus. Der SleepSoft hat bei 125 Hertz exakt denselben Wert. Ein wiederverwendbarer Stöpsel mit 25 dB SNR liegt im Bass also gleichauf mit einem Wegwerfstöpsel, der auf der Packung mit 31 dB wirbt. Die Packungszahl sagt über tiefe Töne fast nichts.
Schnarchen, Verkehr und eine Erfahrung, die zu den Zahlen passt
Schnarchen ist ein Basston. Japanische HNO-Ärzte haben bei 75 Patienten gemessen, dass die Grundfrequenz beim Gaumenschnarchen im Mittel bei 103 Hertz liegt (Acta Oto-Laryngologica, 1998, Details im Artikel über Schnarchen und Schallschutz im Schlafzimmer). Genau dort hat der SleepSoft seine zwei Dezibel Vorsprung.
Es gibt einen dokumentierten Erfahrungsbericht, der in dieselbe Richtung zeigt. Martin Ueding schrieb im Dezember 2022 auf seinem Blog, warum er nach einem Versuch mit den SleepDeep zu den SleepSoft zurückgekehrt ist. Vor seinem Schlafzimmer fährt normaler Stadtverkehr, dazu, wie er schreibt, "gelegentliche Autoposer". Schaumstoffstöpsel seien ihm immer wieder herausgerutscht. Die SleepDeep hätten zwar gedämpft, aber, so wörtlich, "der Autoverkehr fühlte sich lauter an, als ich mit den etablierten SleepSoft hatte". Gesessen hätten sie bei ihm nicht richtig, und er räumt fair ein, dass er vielleicht auch nur bewusster auf den Lärm geachtet habe.
Das ist ein einzelner Bericht, und die Passform erklärt viel. Aber er passt auffällig gut zu den Datenblättern. Wer gegen ein Geräusch mit viel Anteil unter 1.000 Hertz schläft, hat vom Höhenvorsprung des SleepDeep wenig und bekommt im Bass etwas weniger Dämmung.
Ein Detail am Rande: Ueding nennt in seinem Beitrag 20 dB für den SleepSoft und 25 dB für den SleepDeep. Außerdem beschreibt er den SleepSoft mit Lamellen aus Silikon, der Hersteller nennt das Material heute ausdrücklich silikonfrei. Auf den Produktseiten stehen inzwischen 25 und 27 dB. Produkt und Angaben haben sich seither also verändert. Wer alte Testberichte liest, sollte das im Hinterkopf behalten.
Und der Wecker?
Alpine wirbt beim SleepSoft damit, dass "Türklingel und Wecker noch ausreichend hörbar" bleiben. Kleiner Haken an der Abgrenzung: Auf der Seite des SleepDeep steht fast derselbe Satz, dort ist es der Wecker oder das Babyphone. Beide Stöpsel versprechen also dasselbe.
Die Tabelle erlaubt eine genauere Antwort. Viele Signaltöne, allen voran Rauchmelder, piepen hoch. Ein Forschungsteam der Victoria University in Melbourne beschreibt den üblichen Rauchmelderton als Signal über 3.000 Hertz (Bruck und Kollegen, Journal of Sleep Research, 2009). Bei 4.000 Hertz lässt der SleepSoft gut 7 dB mehr durch als der SleepDeep, bei 2.000 Hertz liegen beide nah beieinander.
Eine Überschlagsrechnung, die nur die Herstellerwerte nutzt: Ein Rauchwarnmelder nach DIN EN 14604 muss in drei Metern Abstand mindestens 85 dB(A) laut sein. Zieht man bei 4.000 Hertz den Schutzwert ab, kommen mit SleepSoft rund 59 dB am Trommelfell an, mit SleepDeep rund 51 dB. Geschlossene Türen und die Entfernung zum Flur sind darin nicht enthalten, im echten Schlafzimmer wird es deutlich leiser.
Dieselbe Studie aus Melbourne hat übrigens noch einen zweiten Befund, der fast ironisch ist: Am zuverlässigsten wecken nicht hohe Pieptöne, sondern tiefe Rechtecktöne um 520 Hertz. Genau dort dämmt der SleepSoft wiederum etwas mehr. Unterm Strich: Kein Ohrstöpsel garantiert, dass man einen Alarm hört, und zwischen diesen beiden Modellen entscheidet die Frage nicht.
Bauform, Größe und die Einführhülse
Der SleepSoft ist rund, aus einem silikonfreien, thermoplastischen Material und hat innen einen weichen Filter. Er gibt laut Hersteller unter Körperwärme nach und passt sich so dem Gehörgang an. Es gibt ihn in einer einzigen Größe für Gehörgänge mit 9 bis 12 Millimetern Durchmesser.
Das ist der Punkt, an dem der SleepDeep klar besser aufgestellt ist. Er kommt in drei Größen, Small mit 7 bis 11 Millimetern, Medium mit 8 bis 12 und Large mit 9 bis 13, dazu eine Packung mit allen drei. Wer enge Gehörgänge hat, findet beim SleepSoft schlicht keine passende Variante.
In der Packung liegen zwei Stöpsel, eine Aufbewahrungsbox und eine Einführhülse. Die Hülse ist bei Ueding das eigentliche Argument: Mit ihr lasse sich der Stöpsel tief genug setzen, dass er auch in Seitenlage nicht drückt. Der Hersteller formuliert vorsichtiger und rät in seiner Anleitung, die Ohrmuschel leicht nach oben zu ziehen, den Stöpsel einzuführen und "nicht zu weit hinein" zu drücken. Beides ist richtig. Er soll abdichten, nicht den Gehörgang ausfüllen.
Seit Sommer 2023 hat der SleepSoft einen kleinen Griff, den Alpine Minigrip nennt. Ein österreichischer Händler beschreibt ihn im Juli 2023 als fast unsichtbare Lasche aus weichem Material, die das Herausnehmen erleichtert. Warum das nötig war, zeigen die Bewertungen.
Was die Bewertungen sagen
Die Stimmung ist gemischter, als man bei einem Klassiker erwarten würde.
- Im Alpine-Shop steht der SleepSoft bei 3,55 von 5 Sternen aus 1.077 Bewertungen, der SleepDeep bei 3,88 aus 1.030.
- Auf testbericht.de kommt der SleepSoft auf 3,1 von 5 aus 118 Bewertungen. Die Verteilung ist ungewöhnlich: 54 Mal drei Sterne, 32 Mal zwei, nur 14 Mal fünf.
Gelobt werden fast immer dieselben Dinge: weich, bequem in Seitenlage, bleibt in der Nacht drin. Die Klagen sind ebenso einheitlich. Juckreiz nach einigen Stunden und Feuchtigkeit im Ohr, Stöpsel, bei denen beim Herausziehen Teile abreißen, und eine Dämmung, die Gespräche und Schnarchen eben nicht ganz wegnimmt.
Meine Einschätzung: Den letzten Punkt halte ich für ein Missverständnis. Genau so ist der Stöpsel gebaut. Ein Stöpsel mit 22 bis 26 dB gleichmäßiger Dämmung macht laute Geräusche leise, nicht unhörbar. Wer völlige Stille erwartet, wird enttäuscht sein, egal welche Marke. Der Juckreiz ist ernster. Er spricht entweder für einen zu tief gesetzten Stöpsel oder für einen Gehörgang, der ihn nicht verträgt, und dann hilft auch die beste Frequenzkurve nichts.
Preis und wo man ihn bekommt
Im Alpine-Shop kostet der SleepSoft 13,95 Euro, der SleepDeep 19,95 Euro. Im Handel schwankt der Preis laut testbericht.de zwischen etwa 9,90 und 24,50 Euro, es lohnt also ein Blick auf mehrere Anbieter. Rossmann führt den Stöpsel unter derselben EAN wie der Hersteller (8717154023503) im Onlineshop. Was Drogerie und Apotheke sonst im Regal haben und wie sich die Preise unterscheiden, steht im Ratgeber Gehörschutz kaufen bei dm, Rossmann und in der Apotheke.
Alpine gibt bis zu 100 Anwendungen an. Bei 13,95 Euro sind das rund 14 Cent pro Nacht, sofern man ihn regelmäßig reinigt und trocken in der Box lagert, ein feuchter Stöpsel im geschlossenen Döschen ist ein Nährboden für Keime. Dazu kommt eine 100-Tage-Zufriedenheitsgarantie im Herstellershop, was bei einem Produkt, dessen Erfolg an der eigenen Ohrform hängt, mehr wert ist als jeder Testwert.
Für wen sich der SleepSoft lohnt
Der SleepSoft ist der richtige Stöpsel, wenn die Störung tief und gleichmäßig ist: Schnarchen, Verkehrsrollen, eine brummende Lüftung. Er passt auch, wenn man nachts nicht abgeschnitten sein will und Stimmen gedämpft, aber verständlich hören möchte. Und er ist der günstigere Einstieg in wiederverwendbare Schlafstöpsel.
Der SleepDeep ist die bessere Wahl bei hohen, scharfen Geräuschen wie klapperndem Geschirr oder Kindergeschrei aus der Nachbarwohnung, und für alle mit kleinen Gehörgängen, weil es ihn in Small gibt. Ausführlich steht das im Artikel zum Alpine SleepDeep im Test.
Wer zwischen Alpine und Loop schwankt, findet den Vergleich im Artikel über Alternativen zu Loop und im Test des Loop Quiet 2 zum Schlafen.
Mein Fazit: Die zwei Dezibel auf der Packung sind das schwächste Argument in diesem Vergleich. Wer weiß, was ihn nachts weckt, kann die Entscheidung an der Frequenztabelle treffen und spart dabei sechs Euro. Wer es nicht weiß, hört eine Nacht lang bewusst hin: Brummt es, oder pfeift und klappert es? Diese eine Frage ist mehr wert als jeder Testsieger-Stempel.
Quellen: Alpine Hearing Protection, Produktseiten SleepSoft und SleepDeep auf alpine-gehoerschutz.de mit Frequenztabellen (Mittelwert, Standardabweichung, APV), Lieferumfang, Größenangaben, Preis, FAQ und Anleitung, abgerufen am 2. Oktober 2026 · Berger EH: Methods of measuring the attenuation of hearing protection devices. J Acoust Soc Am 79(6), 1986, S. 1655 bis 1687 · Bruck D, Ball M, Thomas I, Rouillard V: How does the pitch and pattern of a signal affect auditory arousal thresholds? J Sleep Res 18(2), 2009, S. 196 bis 203 · Miyazaki S et al.: Acoustic analysis of snoring and the site of airway obstruction in sleep related respiratory disorders. Acta Oto-Laryngologica Suppl. 537, 1998 · 3M, Datenblatt E-A-R Classic · Martin Ueding: SleepDeep ausprobiert, SleepSoft gefällt besser, martin-ueding.de, 3. Dezember 2022 · aunun.at: Alpine SleepSoft Ohrstöpsel jetzt mit Minigrip, 12. Juli 2023 · testbericht.de, Alpine SleepSoft, Nutzerbewertungen und Preisspanne, Stand September 2026 · DIN EN 14604 Rauchwarnmelder, Mindestschalldruck 85 dB(A) in 3 m, zitiert nach Herstellerdatenblättern (Ei Electronics Ei650)
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