Im Oktober beginnt in Mietwohnungen eine bestimmte Sorte Beschwerde. Nicht der Nachbar, nicht die Straße, sondern die Wand selbst fängt an, Geräusche zu machen. Es knackt in der Nacht, irgendwo gluckert es, und wenn im Nachbarhaus jemand duscht, rauscht es durch das halbe Treppenhaus.
Anders als bei Außenlärm gibt es hier einen Zahlenwert, an dem sich alles messen lässt. Für Geräusche aus haustechnischen Anlagen nennt die DIN 4109 einen Grundwert von 30 dB(A). Für erhöhten Schallschutz nach VDI 4100, Schallschutzstufe III, gelten Werte unter 25 dB(A).
Das ist wenig. 30 dB(A) entsprechen etwa dem Pegel eines leisen Flüsterns im Nebenzimmer. Wer sein Rohrgeräusch deutlich hört, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit darüber.
Das Knacken: ein mechanischer Effekt, kein Defekt
Das häufigste und harmloseste Geräusch. Es tritt auf, wenn die Heizung anfährt oder abkühlt, also mit deutlichem Bezug zur Schaltzeit.
Die Ursache erklärt Matthias Wagnitz vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima gegenüber ÖKO-TEST so: Es handelt sich um Geräusche, die beim Ausdehnen der Rohrleitungen entstehen. Metall dehnt sich bei Erwärmung, und ein Heizungsrohr, das von 20 auf 60 Grad geht, wird auf zehn Metern Länge um mehrere Millimeter länger.
Interessant ist, warum daraus ein Knacken wird und kein gleichmäßiges Schieben. Der Fachbegriff heißt Stick-Slip-Effekt. Das Rohr will sich ausdehnen, wird aber irgendwo festgehalten. Die Spannung baut sich auf, bis die Haftreibung überwunden ist, dann rutscht das Rohr ruckartig ein Stück weiter. Genau dieses Losreißen ist das Knacken.
Wo es festgehalten wird, ist in der Praxis fast immer eines von drei Dingen:
Alte Rohrschellen ohne Gummieinlage. Metall auf Metall geklemmt, ohne Zwischenlage. Moderne Schellen haben eine weiche Gummieinlage, die die Bewegung aufnimmt und zugleich den Körperschall entkoppelt. Überstrichene Rohrschellen. Der Klassiker in Altbauten. Bei einer Renovierung wurde über Rohr und Schelle hinweg gestrichen, und die Farbe verklebt beides zu einer Einheit. Zu enge Wanddurchführungen. Wenn das Rohr direkt im Mauerwerk oder im Estrich sitzt, ohne Dämmhülse, wirkt die Wand als Klemme.Die gute Nachricht dazu: Nach Wagnitz gibt es im Normalfall nur ein akustisches Problem, aber keine Folgeschäden. Die Heizung funktioniert weiter, es geht nichts kaputt. Wer das Knacken hinnehmen kann, muss nichts tun.
Wer nicht, sollte sich das Selbstmachen gut überlegen. Wagnitz weist darauf hin, dass ein Eingriff an den Schellen ein gutes Maß an handwerklichen Fähigkeiten verlangt, und die problematische Stelle liegt oft genau dort, wo man nicht hinkommt: hinter Verkleidungen, im Estrich, im Schacht.
Das Gluckern: Luft im System
Gluckern, Blubbern, Pfeifen und ein Geräusch wie Wasser in einer halbleeren Flasche haben eine gemeinsame Ursache: Luft im Heizkreis.
Das ist das einzige Geräusch dieser Liste, das sich zuverlässig selbst beheben lässt. Heizkörper entlüften, mit Entlüftungsschlüssel und einem Gefäß darunter, so lange, bis Wasser statt Luft kommt. Reihenfolge von unten nach oben im Gebäude, weil Luft nach oben steigt.
Wenn das Gluckern nach wenigen Wochen wiederkommt, ist die Luft nicht die Ursache, sondern das Symptom. Dann zieht die Anlage irgendwo Luft, meist über einen zu niedrigen Anlagendruck oder ein defektes Ausdehnungsgefäß, und das gehört in Fachhände.
Ein Nebeneffekt, der oft unterschätzt wird: Luft im Heizkörper mindert die Heizleistung. Der Heizkörper wird oben nicht mehr warm, der Raum braucht länger, und die Vorlauftemperatur wird oft als Ausgleich hochgedreht. Das Entlüften ist also nicht nur eine Akustikmaßnahme.
Das Rauschen: die Pumpe läuft zu hoch
Ein gleichmäßiges Fließ- oder Rauschgeräusch, das mit dem Heizbetrieb kommt und geht, deutet auf eine zu hoch eingestellte Umwälzpumpe hin. Das Wasser läuft mit zu hoher Geschwindigkeit durch Rohre und Ventile und erzeugt Strömungsgeräusche.
Verwandt damit ist das Pfeifen an einzelnen Thermostatventilen, besonders wenn das Ventil fast geschlossen ist. Dort entsteht durch den engen Querschnitt bei hohem Vordruck ein Pfeifton.
Beides ist eine Einstellungsfrage und kein Materialproblem. Das Mittel dagegen heißt hydraulischer Abgleich: Jeder Heizkörper bekommt genau die Wassermenge, die er braucht, und die Pumpe wird entsprechend eingestellt. Das behebt Strömungs- und Pfeifgeräusche und senkt gleichzeitig den Verbrauch.
Ein Detail für Mieter: Der hydraulische Abgleich ist Sache des Eigentümers, nicht der einzelnen Wohnung. Er lässt sich nicht in einer Wohnung allein durchführen, weil er das Verhältnis aller Heizkörper im Strang betrifft.
Das Brummen: die Pumpe arbeitet gegen etwas
Ein tiefes, konstantes Brummen unterscheidet sich vom Rauschen dadurch, dass es tonal ist, also eine erkennbare Tonhöhe hat, und dass es sich über die Bauteile ausbreitet statt über die Luft.
Es entsteht typischerweise, wenn die Pumpe überlastet ist. Hydraulischer Abgleich hilft häufig, in manchen Fällen ist die Pumpe selbst zu tauschen. Alte, ungeregelte Pumpen brummen deutlich mehr als moderne Hocheffizienzpumpen.
Brummen ist der Fall, bei dem die Suche am schwierigsten ist, und der Grund dafür ist physikalisch. Es ist Körperschall, also Schall, der sich im Bauteil selbst fortpflanzt und nicht in der Luft. Körperschall breitet sich über das gesamte Bauwerk aus, weshalb sich die betroffene Stelle oft nicht leicht ausfindig machen lässt. Das Brummen kann im Schlafzimmer im dritten Stock hörbar sein, obwohl die Pumpe im Keller sitzt. Zum Unterschied zwischen den Schallarten haben wir das Grundsätzliche im Beitrag zu Trittschall und Luftschall erklärt.
Was das für Mieter bedeutet
Wenn Geräusche aus der Haustechnik den Wohngebrauch beeinträchtigen, kommt eine Mietminderung in Betracht. Gerichte ziehen dabei die DIN 4109 als Maßstab heran, wobei in Urteilen auch auf die Ausgabe von 1989 verwiesen wird, was bei älteren Gebäuden eine Rolle spielt.
Praktisch sinnvoll ist diese Reihenfolge:
Erstens dokumentieren. Datum, Uhrzeit, Dauer, Art des Geräuschs. Am besten über zwei bis drei Wochen, weil der Zusammenhang mit den Heizzeiten der eigentliche Beweis ist. Zweitens messen lassen, nicht selbst messen. Handy-Apps taugen für den Hausgebrauch, aber nicht als Nachweis. Für Installationsgeräusche in diesem Pegelbereich braucht es eine normgerechte Messung, weil bei 30 dB(A) das Grundgeräusch der Wohnung selbst mit ins Ergebnis fällt. Wie man Raumakustik überhaupt sinnvoll misst, steht im Beitrag zur Messung mit REW. Drittens schriftlich anzeigen. Ohne Anzeige beim Vermieter läuft die Minderung nicht, und ohne Frist zur Abhilfe gibt es keinen Druck.Wichtig ist die Unterscheidung, um die es dabei geht: Ein Neubau muss die Anforderungen einhalten, weil sie Vertragsbestandteil sind. Bei einem Altbau gilt in der Regel der Standard der Bauzeit, und ein Knacken, das seit vierzig Jahren zum Haus gehört, ist schwer als Mangel durchzusetzen.
Die Zuordnung auf einen Blick
Knacken beim Aufheizen und Abkühlen: Rohrausdehnung, Stick-Slip-Effekt. Ursache sind Schellen ohne Gummi, überstrichene Schellen oder enge Durchführungen. Kein Defekt, aber ohne Zugang zu den Schellen kaum zu beheben. Gluckern, Blubbern, Pfeifen im Heizkörper: Luft im System. Entlüften. Kommt es wieder, liegt es am Druck oder am Ausdehnungsgefäß. Gleichmäßiges Rauschen: Pumpe zu hoch eingestellt. Hydraulischer Abgleich. Pfeifen am Ventil: zu hoher Vordruck bei fast geschlossenem Ventil. Ebenfalls Abgleich. Tiefes Brummen: überlastete oder alte Pumpe, Körperschall über das Bauwerk. Abgleich oder Pumpentausch.Was in dieser Liste bemerkenswert ist: Drei der fünf Geräusche verschwinden mit demselben Eingriff, dem hydraulischen Abgleich. Er wird meist als Energiesparmaßnahme verkauft und ist zugleich die wirksamste Akustikmaßnahme an einer Heizungsanlage. Wer wegen Geräuschen anruft, sollte deshalb zuerst fragen, ob die Anlage überhaupt je abgeglichen wurde.
Quellen: ÖKO-TEST, "Heizung knackt: Was tun gegen störende Geräusche?" (oekotest.de, abgerufen 09/2026), mit den Ausführungen von Matthias Wagnitz vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima zum Ausdehnungsgeräusch, zum Stick-Slip-Effekt, zu Rohrschellen ohne Gummieinlage und überstrichenen Schellen, zur Einordnung als rein akustisches Problem ohne Folgeschäden und zum handwerklichen Anspruch eines Eingriffs; sanier.de, "Schallschutz für haustechnische Anlagen" (abgerufen 09/2026), zum Grundwert von 30 dB(A) nach DIN 4109 und zu Werten unter 25 dB(A) bei erhöhtem Schallschutz nach VDI 4100 Schallschutzstufe III; heizung.de, "Heizung macht Geräusche: Ursachen und Maßnahmen" (abgerufen 09/2026), zur Zuordnung von Gluckern zu Luft im Heizkörper, von Rauschen zur zu hoch eingestellten Umwälzpumpe und von Brummen zur Pumpenüberlastung sowie zur Wirkung des hydraulischen Abgleichs; mietminderung.org, "Mietminderung: Heizung macht Geräusche und Lärm" (abgerufen 09/2026), zum Rückgriff der Gerichte auf die DIN 4109 einschließlich der Ausgabe 1989.
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