Ich habe einmal, in einem Anfall von Sparsamkeit, den ich bis heute bereue, vier Quadratmeter Noppenschaum für insgesamt 38 Euro bestellt. Auf der Verpackung: ein professionelles Tonstudio. Das Material roch nach Chemiewerk und fühlte sich an wie ein Küchenschwamm, der zu lange in der Sonne lag. Ich klebte alles an die Wand, lehnte mich zurück und wartete auf den Unterschied. Der Raum klang danach tatsächlich anders. Dumpfer. Als hätte jemand den Höhenregler runtergedreht, ohne die Probleme zu lösen. Der Bass dröhnte weiter, die Mitten hallten weiter, nur die Höhen waren weg. Der Raum war nicht besser geworden. Er war anders schlecht geworden.
1984 stellte die BASF in Ludwigshafen einen Schaumstoff vor, der so leicht war, dass er beinahe schwebte. Sie nannten ihn Basotect — klingt wie ein verschreibungspflichtiges Medikament. Er wog neun Gramm pro Kubikzentimeter, brannte nicht besonders gern, und verschluckte Schall mit einer Effizienz, die bis dahin nur Mineralwolle erreicht hatte. Vierzig Jahre später hat Basotect seinen Weg in Rundfunkhäuser, Konzertsäle und die Motorhauben von Oberklassewagen gefunden.
Was die BASF nicht ahnen konnte: Das Wort "Akustikschaumstoff" würde auf Amazon so präzise verwendet werden wie "Bio" auf einer Chipstüte. Unter dem Begriff verkaufen sich mindestens fünf verschiedene Werkstoffe, die sich in Preis, Leistung und Brennbarkeit so grundlegend unterscheiden, dass man sie eigentlich nicht in dieselbe Kategorie stecken dürfte.
Der Fehler, den fast alle machen
3 cm Akustikschaumstoff kaufen und hoffen, damit den Raum ruhiger zu machen. Wird nicht passieren. Nicht weil das Produkt schlecht ist — weil Physik so funktioniert, wie Physik eben funktioniert.
Schaumstoff absorbiert Schall, indem Luftmoleküle in seinen Poren reiben und Bewegungsenergie in Wärme umwandeln. Lärm wird zu Wärme. So wenig Wärme allerdings, dass man damit nicht einmal eine Tasse Tee aufwärmen könnte, selbst wenn man ein ganzes Rockkonzert opfern würde. Der Mechanismus braucht Tiefe. Bei 100 Hz hat eine Schallwelle eine Wellenlänge von 3,40 Metern. Ein 3 cm dickes Material verhält sich dazu wie ein Briefumschlag zu einem Marathonläufer.
Die Faustregel: Sinnvolle Dicke beträgt etwa ein Viertel der Wellenlänge. Bei 1.000 Hz: 8,5 cm. Bei 500 Hz: 17 cm. Bei 125 Hz bräuchte man theoretisch fast 70 cm — an dem Punkt hat man keinen Raum mehr, sondern ein Schaumstoffgehäuse mit Beleuchtung.
Praktisch: 3 cm absorbiert bei 2.000 Hz gut. Bei 500 Hz wenig. Bei 125 Hz fast nichts. Wer seinen Raum dumpfer machen will, statt ihn besser klingen zu lassen, ist mit 3 cm bestens bedient. Alle anderen lesen weiter.
Material 1: Standard-PU-Schaumstoff
Das, was die meisten meinen, wenn sie "Akustikschaumstoff" sagen. Noppenschaum, Pyramidenschaum, Keilschaum. Das Zeug, das in Proberäumen hängt und nach ein paar Jahren aussieht, als hätte es einen schweren Winter hinter sich.
Otto Bayer — nicht verwandt mit dem Aspirin-Bayer, aber auch Chemiker — entwickelte Polyurethan 1937 in Leverkusen als Gummi-Ersatz. Dass man daraus achtzig Jahre später Noppenschaum für Podcaster stanzen würde, lag nicht im Businessplan.
Absorptionswerte (typisch, 5 cm)
| Frequenz | Alpha |
|---|---|
| 250 Hz | ca. 0,30 |
| 500 Hz | ca. 0,55 |
| 1000 Hz | ca. 0,80 |
| 2000 Hz | ca. 0,90 |
| NRC gesamt | ca. 0,55 bis 0,65 |
Was er kann
Hochtonabsorption, Sprachverbesserung, Proberäume erträglich machen.
Was er nicht kann
Bässe. Tiefton unter 300 Hz ist ohne 15 cm oder mehr kaum zu beeinflussen. 15 cm Noppenschaum an der Wand sieht aus, als würde man in einer riesigen Eierverpackung wohnen. Womit wir bei echten Eierkartons wären. Die funktionieren akustisch ungefähr so gut, wie sie aussehen — nämlich gar nicht.
Brandschutz — das Problem, über das niemand gern redet
Standard-PU-Schaum brennt. B2 bedeutet "normal entflammbar", eine bemerkenswert beschönigende Formulierung für "brennt weiter, nachdem du die Zündquelle entfernt hast." In einem Keller-Proberaum akzeptabel. In gewerblichen Räumen oder Mieteinheiten eine rechtliche Frage.
B1-PU-Schaum (schwerentflammbar) existiert. Kostet mehr, ist weniger verbreitet, absorbiert vergleichbar. Verlöscht selbst, wenn die Flamme weg ist.
Preis
8 bis 25 Euro pro Quadratmeter. Die Günstigsten bei 15 Euro kommen meistens aus China, ohne nachweisbare Zertifikate. Absorptionswerte stehen auf der Verpackung mit derselben Zuverlässigkeit wie Horoskope in der Tageszeitung.
Material 2: Melaminharz / Basotect
Zurück zum Material vom Anfang. Basotect ist BASF-Handelsmarke für offenporigen Melaminharzschaum. Extrem leicht (ca. 9 kg/m³), offenporig, und die Absorptionsleistung läuft dem PU-Schaum davon wie ein Windhund einem Dackel.
Absorptionswerte (5 cm)
| Frequenz | Alpha |
|---|---|
| 250 Hz | ca. 0,55 |
| 500 Hz | ca. 0,85 |
| 1000 Hz | ca. 0,95 |
| 2000 Hz | ca. 0,95 |
| NRC gesamt | ca. 0,82 bis 0,90 |
Nachteile
Preis. 50 bis 120 Euro pro Quadratmeter. Und: Basotect bricht eher als dass es sich biegt, mechanisch empfindlich. Wird daher oft mit Stoff bespannt, was auch besser aussieht.
Wo es sich lohnt
Überall, wo Brandschutz relevant ist und man nicht drei Schichten dünnen Schaum braucht, um die Wirkung einer Schicht Basotect zu erreichen.
Warum die Oberfläche weniger ausmacht als du denkst
Noppen, Pyramiden, Keile, flach — die Marketingabteilungen stellen jede Form als eigene technologische Errungenschaft dar. Die Wahrheit ist bescheidener.
Profilierte Oberflächen erhöhen die effektive Oberfläche und streuen Schall etwas. Bei hohen Frequenzen über 2.000 Hz ein kleiner Vorteil. Bei unter 1.000 Hz spielt die Form kaum eine Rolle. Die Basis-Dicke entscheidet.
Der Haken: Ein 5 cm Pyramidenprofil (1 cm Basis, 5 cm Spitze) hat eine mittlere Dicke von nur 3 cm. Die Spitzen sehen beeindruckend aus, akustisch zählt der Durchschnitt. Wie bei Bergen: Dass der Everest 8.849 Meter hoch ist, ändert nichts daran, dass Nepals Durchschnittshöhe bei 3.000 Metern liegt.
Für Sprachaufnahmen und Podcasting: Nimm was dir gefällt. Für Studiomonitoring: Kauf nach Dicke und Dichte, nicht nach Oberfläche.
Material 3: Verbundschaum / Schwerschaum
Weniger bekannt, für bestimmte Anwendungen die richtige Wahl. Verbundschaum kombiniert Schichten unterschiedlicher Dichte oder verbindet Schaum mit Masse-Schichten wie Bitumen.
Aufpassen: Verbundschaum ist primär für Dämmung gedacht, nicht für Absorption. Den Unterschied muss man sich merken wie eine Telefonnummer: Absorption reduziert Nachhall im Raum. Dämmung verhindert Übertragung zwischen Räumen. Verwechselst du die beiden, kaufst du einen Regenschirm gegen Kälte.
Preis
30 bis 80 Euro pro Quadratmeter.
Absorptionswerte
Variabel. Als reines Absorptionsmaterial kein Gewinner. Aber unter Maschinenlagern, als Unterlage für vibrierende Geräte, oder wo Körperschall das Thema ist: berechtigter Platz.
Was echten Melaminharz-Schaum ausmacht
"Günstig"-Varianten tauchen gelegentlich auf. Ungefähr so vertrauenerweckend wie ein Rolex-Händler auf einem Flohmarkt.
Echter Melaminharzschaum:
- Extrem leicht (ca. 9 kg/m³), fast wie Styropor, aber körniger, spröder
- Lässt sich mit dem Fingernagel eindrücken, federt aber zurück
- Bricht eher als dass er sich biegt
- Weißlich bis hellgrau
- Lässt sich mit Heißdraht oder feiner Säge schneiden, nicht gut mit Messer
PU-Schaum, der als "Akustikschaum" vermarktet wird:
- Schwerer, elastischer, biegsamer
- Schneidet sich gut mit Messern
- Gibt nach und kehrt träger zurück
- Riecht chemischer
Wenn "Melaminschaum" sich anfühlt wie ein Küchenschwamm: ist vermutlich keiner. Der Preis verrät es auch: Echter Basotect kostet im Einkauf 40 bis 80 Euro pro Quadratmeter bei 50 mm. Produkte für 15 Euro "Melaminschaum" sind es fast nie.
Material 4: PET-Filz (recyceltes Polyestervlies)
Die Nachhaltigkeitsgeschichte. PET-Filz wird aus recycelten PET-Flaschen hergestellt. Vielleicht das Einzige, was jemals Gutes aus der Tatsache entstanden ist, dass die Menschheit mehr Plastikflaschen produziert als sie trinken kann.
Absorptionswerte (12 mm, typisch)
| Frequenz | Alpha |
|---|---|
| 500 Hz | ca. 0,35 |
| 1000 Hz | ca. 0,60 |
| 2000 Hz | ca. 0,80 |
| NRC | ca. 0,45 bis 0,55 |
Brandschutz
Meistens B1. Pluspunkt.
Preis
30 bis 80 Euro pro Quadratmeter.
Stärken
Sieht gut aus. Viele Farben, formbar, wirkt nicht wie ein Tonstudio. Für Büros und Designkontexte ein echtes Argument.
Schwäche
Teurer als PU bei schlechterer Absorption pro Euro. Wenn dir Optik egal ist: es gibt effizientere Wege.
Der Dichte-Faktor: Warum 20 kg/m³ nicht 40 kg/m³ ist
Rohdichte — ein Leistungsparameter, der in Produktlistings oft fehlt. Kein Zufall. Wie ein Autoverkäufer, der die PS-Zahl weglässt und stattdessen die Farbe der Sitze hervorhebt.
Absorption durch poröse Materialien funktioniert über Strömungswiderstand. Luft wird durch die Poren gedrückt und verliert Energie. Zu niedrig: Luft fließt zu leicht durch, kaum Energieverlust. Zu hoch: Luft kommt kaum rein, reflektiert statt zu absorbieren.
Optimaler Bereich für PU-Schaum: 20 bis 40 kg/m³. Unter 15 kg/m³ fast immer zu locker. Über 60 kg/m³ wird es so dicht, dass die Absorption wieder sinkt. Es gibt einen Sweet Spot, und er ist kleiner als man denkt.
Mineralwolle zum Vergleich: Optimal bei 40 bis 70 kg/m³.
Das erklärt auch, warum billiger Amazon-Schaum oft schlechte Werte hat: Zur Kostenreduktion wird die Rohdichte gesenkt. Weniger Material pro m² = weniger Kosten in der Produktion und weniger Absorption beim Kunden.
Wie du die Rohdichte prüfst: Im Listing nach "kg/m³" suchen. Fehlt die Angabe: beim Hersteller anfragen. Kommt keine Antwort: weiterklicken.
Material 5: Polyestervlies (Dacron-Typ)
Loses Vlies aus Polyesterfasern, weniger komprimiert als PET-Filz. Günstige Alternative zu Mineralwolle in DIY-Absorbern.
Absorptionswerte
Stark von Rohdichte abhängig. Bei 50 mm und 30 kg/m³: NRC ca. 0,65 bis 0,75. Schlechter als Mineralwolle, besser als dünner PU-Schaum.
Preis
10 bis 25 Euro pro Quadratmeter.
Brandschutz
B2 meistens. Kein Ruhmesblatt.
Einsatz
DIY-Absorber, günstige Füllungen für Breitbandabsorber. Wer Mineralwolle nicht anfassen will — verständlich, das Zeug juckt — findet hier eine Alternative.
Dicke ist entscheidend: Die Zahlen
Hier wird am meisten falsch geschätzt. Konkrete Werte für Standard-PU-Schaum:
| Frequenz | 2 cm PU | 5 cm PU | 10 cm PU |
|---|---|---|---|
| 125 Hz | ~0,05 | ~0,15 | ~0,30 |
| 250 Hz | ~0,10 | ~0,30 | ~0,55 |
| 500 Hz | ~0,30 | ~0,55 | ~0,75 |
| 1000 Hz | ~0,65 | ~0,80 | ~0,90 |
| 2000 Hz | ~0,85 | ~0,90 | ~0,95 |
Bässe bekämpfen: Entweder sehr dicker Schaum (15 cm+, sieht aus wie eine gepolsterte Zelle) oder ein anderer Absorbertyp. Bassfallen. Mineralwolle.
Brandschutzklassen: Nicht ignorieren
Otto Bayers Polyurethan hatte von Anfang an ein Problem für schalltechnische Anwendungen: Es brennt. Nicht explosionsartig, aber ausdauernd und mit toxischem Rauch.
A1
Nicht brennbar. Mineralwolle, Glas, Metall. Die Heiligen unter den Baumaterialien.
A2
Nicht brennbar mit minimalem organischem Anteil. Calciumsilikatplatten.
B1
Schwerentflammbar. Basotect, B1-PU-Schaum, viele PET-Produkte. Das Minimum für Räume, in denen andere Menschen sich aufhalten.
B2
Normal entflammbar. Standard-PU-Schaum. Brennt weiter nach Entfernen der Zündquelle. Klingt harmloser als es ist.
B3
Leicht entflammbar. Nicht für Baumaterialien zugelassen. Dass diese Klasse existiert, ist bereits beunruhigend.
Für Heimanwender: B2 ist legal, aber ein Risiko. 40 Prozent der Wandfläche mit brennbarem Schaum = erhöhtes Brandrisiko. Statistik, keine Panikmache. In Gewerbe und Mieträumen: B1. Der Preisunterschied liegt bei 30 bis 50 Prozent. Klingt nach viel — bis man es mit den Kosten eines Brandes vergleicht.
Akustikschaumstoff für Autos und Lautsprecher: Andere Welt
Wer "Akustikschaumstoff" sucht, findet auch Lautsprecherbau- und Auto-Dämmprodukte. Hat mit Raumakustik so viel zu tun wie ein Tennisschläger mit einer Bratpfanne.
Lautsprecherschaum (Sicke)
Ring zwischen Rahmen und Membran. Mechanische Feder, kein Absorptionsmaterial.
Auto-Dämmmatten (Bitumen)
Körperschalldämpfer. Kein sinnvoller NRC-Wert.
Falsches Regal. Weitersuchen.
Was Amazon-Schaumstoff für 15 Euro wirklich kann
Ein Quadratmeter 5 cm PU-Schaum von einem chinesischen Seller ohne Zertifikate hat wahrscheinlich:
- NRC irgendwo zwischen 0,40 und 0,60
- Brandschutzklasse unbekannt, vermutlich B2
- Keine Laborbestätigung
Nicht nutzlos. Für Proberaum oder Podcasting-Ecke, wo Sprachverständlichkeit das Ziel ist, kann das die Situation verbessern. Von "gut" zu "etwas weniger schlecht" ist auch Fortschritt.
Wer aber glaubt, damit Raumschwingungen zu eliminieren: Das wäre wie mit Pflastern eine Operation zu ersetzen. Sieht nach Maßnahme aus, ist aber keine.
Montage: Was hält und was nicht
Sprühkleber (UHU oder 3M)
Funktioniert auf glattem Untergrund. Nicht reversibel — beim Abnehmen kommt der Putz mit. Wissen, bevor der Vermieter überrascht wird.
Doppelseitiges Klebeband
Für leichte Materialien ausreichend. Keine heroischen Annahmen über Haftkraft.
Montagekleber (Pattex)
Für schwerere Elemente. Praktisch unmöglich abzubekommen — diplomatisch ausgedrückt.
Klettverschluss
Unterschätzt. Hält bis 5 kg pro Quadratmeter. Alles wieder abnehmbar, ohne dass der Raum danach aussieht wie nach einer Renovierung.
Magnete
Nur für extrem leichte Materialien auf metallischem Untergrund.
Deckenmontage
Alle Klebelösungen schwieriger. Schwerkraft arbeitet gegen dich. Schwerkraft gewinnt geduldig. Bei Paneelen über 2 kg mechanisch sichern, egal welcher Kleber.
Wie viel Fläche brauchst du?
Die vereinfachte Sabine-Formel, benannt nach Wallace Clement Sabine, dem Mann, der 1895 nachts Kissen durch Harvard trug:
RT60 = 0,161 x Volumen (m³) / Absorptionsfläche (m²)
Für einen 15-m²-Raum, 2,50 m hoch (37,5 m³), Ziel-RT60 von 0,5 Sekunden:
0,5 = 0,161 x 37,5 / A → A = 12,1 m²
12 m² äquivalente Absorptionsfläche. Bei NRC 0,65: 18,5 m² Material. Bei NRC 0,90: 13,4 m².
Abzüglich vorhandener Absorption (Möbel, Teppich, Vorhänge bringen ca. 6 bis 8 m²) braucht es noch 5 bis 10 m² zusätzlich. Das sind 8 bis 17 Paneele à 60 x 120 cm.
Wer mit 4 Paneelen anfängt: Das ist ein Anfang. Kein Ende. Eher ein Vorwort.
Was "akustisch behandelt" in der Praxis bedeutet
Keine offizielle Definition — ungefähr so klar wie "aufgeräumtes Zimmer." Gängige Zielwerte:
| Anwendung | RT60 Zielwert |
|---|---|
| Wohnraum, Homeoffice | unter 0,6 Sekunden |
| Podcast, Sprachaufnahme (Hobby) | unter 0,4 Sekunden |
| Podcast, Sprachaufnahme (professionell) | unter 0,3 Sekunden |
| Musikproduktion Heimstudio | 0,2 bis 0,35 Sekunden, frequenzlinear |
| Professioneller Aufnahmeraum | 0,15 bis 0,25 Sekunden |
Top 5 nach Preis-Leistung
Platz 1: Mineralwolle 60 mm, 40 bis 70 kg/m³, mit Stoff bespannt
Nicht Schaumstoff im engeren Sinn, aber das beste Ergebnis pro Euro. NRC 0,90+, A1 Brandschutz, 15 bis 30 Euro pro m² Material. Nachteil: Selbst bauen. Vorteil: alles andere.Platz 2: Basotect 50 mm
Bester Fertigschaumstoff. NRC 0,85 bis 0,90, B1, keine Kompromisse außer dem Preis. Für alle, die kein Werkzeug besitzen oder besitzen wollen.Platz 3: PET-Filz 25 mm
Kompromiss aus Optik, Nachhaltigkeit und Funktion. NRC 0,65 bis 0,75, B1. Für Büros und Wohnräume, wo das Paneel auch nach etwas aussehen soll. Bei recycelten Flaschen darf man sich sogar ein bisschen gut fühlen.Platz 4: PU-Schaum B1, 50 mm
Günstiger Kompromiss mit Brandschutz. NRC 0,55 bis 0,65, B1. Für Proberäume und Heimstudios ohne Designanspruch.Platz 5: PU-Schaum Standard, 50 mm
Für Räume ohne Brandschutzproblem und mit knappem Budget. NRC 0,50 bis 0,65, B2. Günstigstes Material mit messbarer Wirkung — wenn Dicke und Fläche stimmen. Und nur dann.Schaumstoff vs. Mineralwolle: Direkter Vergleich
Für denselben Anwendungsfall (Breitbandabsorber, 100 x 60 cm, Heimstudio):
| Eigenschaft | PU-Schaum B1, 50 mm | Basotect 50 mm | Mineralwolle 80 mm, DIY |
|---|---|---|---|
| NRC | ca. 0,62 | ca. 0,85 | ca. 0,90 |
| Gewicht | ca. 0,5 bis 1 kg | ca. 0,3 kg | ca. 2 bis 3 kg |
| Montage | Kleber, 5 Minuten | Kleber, 5 Minuten | Rahmen bauen, 1 bis 2 Stunden |
| Preis | 15 bis 25 Euro | 30 bis 60 Euro | 8 bis 15 Euro Material |
| Brandschutz | B1 | B1 | A1 |
Wer sich nicht entscheiden kann: Mineralwolle DIY ist fast immer richtig. Hasst du Handarbeit? Basotect. Budget reicht nicht? B1-PU-Schaum in 50 mm, aber genug davon.
Alterung: Was nach Jahren passiert
Standard-PU-Schaum beginnt nach 5 bis 10 Jahren zu zerbröseln. Wird spröde, verliert Elastizität, zerfällt beim Anfassen. Ich habe in einem Proberaum Noppenschaum angefasst, der seit zwanzig Jahren an der Wand hing. Er zerbrach in meinen Händen wie trockener Keks. Der Besitzer sah mich an, als hätte ich sein Haustier umgebracht. Das Material war längst tot.
Basotect altert kaum. Installationen aus den 1990er-Jahren funktionieren noch — was man von den meisten Dingen aus den 1990ern nicht behaupten kann.
PET-Filz altert wie Textilien: bleicht aus, kann einlaufen, ist mechanisch stabiler als PU.
Mineralwolle altert praktisch nicht. Einzige Alterserscheinung: minimales Zusammensetzen über Jahrzehnte durch Eigengewicht.
Langfristig investieren: Basotect, Mineralwolle oder PET. Standard-PU ist eine Zwischenlösung. Manchmal mit Betonung auf "zwischen."
Worauf du beim Produktlisting achten solltest
Seriöse Anbieter nennen:
- Rohdichte in kg/m³ (bei PU: 20 bis 50 kg/m³ sind sinnvoll)
- Absorptionswerte pro Frequenzband, nicht nur NRC-Gesamtwert
- Brandschutzklasse mit Zertifikatnummer
- Herkunft und Material-Spezifikation
Fehlendes Zertifikat heißt nicht zwingend schlechte Qualität — aber kein Nachweis. Für private Proberäume oft akzeptabel. Für gewerbliche Räume: B1-Nachweis ist Pflicht. Wer keine Zertifikate zeigt, hat Gründe dafür. Und die stehen nie auf der Verpackung.
Wo du Akustikschaumstoff kaufst
Online
Größte Auswahl, günstigste Preise, höchste Varianz. Man kann ein Schnäppchen machen oder Geld verbrennen. Manchmal beides gleichzeitig.
Baumarkt
Begrenzte Auswahl, meistens Standard-PU. Vorteil: Material anfassen, was bei Schaumstoff informativ ist. Nachteil: Kaum Basotect oder PET in vernünftiger Dicke.
Akustik-Fachhandel
Bessere Auswahl, Zertifikate, Beratung. Teurer. Für Projekte über 1.000 Euro empfehlenswert — allein wegen der Beratung, die einem die zweite Bestellung erspart.
Direktlieferant
Für größere Mengen. Basotect bei BASF-autorisierten Händlern, Mineralwolle bei Baustoffhändlern. Günstigste Preise bei Mindestmengen.
Empfehlung für erste Käufe: Online bei Shops mit Messwerten. Für größere Projekte: Musterbestellung. 30 Euro für Muster spart 300 Euro für Fehlkäufe.
Was bleibt
"Akustikschaumstoff" ist ein weiter Begriff. Die Unterschiede sind groß, größer als die Verpackungen zugeben möchten. Günstig kaufen: B1-PU-Schaum in 50 mm. Beste Absorption pro m²: Basotect oder DIY-Mineralwolle. Optik nötig: PET-Filz.
Die dünnsten und günstigsten Amazon-Produkte können mehr schaden als nutzen. Nicht weil sie Schall verstärken — weil sie Hochton wegnehmen und den Raum dumpf klingen lassen, ohne Tieftonprobleme zu lösen. Ein Raum, der nach der Behandlung dumpfer klingt, ist nicht besser. Er ist anders schlecht. Und "anders schlecht" ist kein Fortschritt, für den man Geld ausgeben sollte.
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